Gesellschaftskritik befreit das Individuum von Schuld, indem sie beide Kategorien aufhebt. Reflexionen aus dem beschädigten Leben wären solche aus der beschädigten Welt zur Seite zu stellen.
"Sei du selbst!" - "Mach was aus dir!" - Was denn nun?
Dasselbe Gefühl der Befreiung, das sich einstellt, wenn man Bedenken beiseitewischt, lernt kennen, wer, wider alle Vorteile handelnd, keine Berechnung oder Abwägung gelten lässt. In der Entscheidung spürt man ein Glück, welches Folgenabschätzungen nicht bescheren.
Die Welt kann zu dem, was über sie gesagt wird, nichts sagen. Wahrheit bemisst sich an einer stummen Wirklichkeit.
Wer ablehnt, was alle ablehnen, braucht keine Kenntnisse in der Sache. Die Gemeinsamkeit der Empörung bedeutet ihre Rechtfertigung.
Profitgier wird attackiert, Lebensgier hofiert. Dabei sind es Zwillinge.
Michael Rumpf: Widerklänge; in: zeno 32, S. 112